Tamara Korpatsch: Kein Handschlag, aber die dritte Runde
Serie: Wer in Bessungen aufgeschlagen hat, aus dem wird was
Paris, Roland Garros, Nebenplatz 7. Tamara Korpatsch und Wang spielen Tennis — oder genauer gesagt: Sie spielen Tennis, streiten, gestikulieren, diskutieren, verweigern am Ende den Handschlag. Wang kassiert während des Matches eine Verwarnung, weil sie eigenmächtig die Seite wechselt, um einen Ballabdruck zu kontrollieren — was verboten ist. Sie leistete sich 65 unerzwungene Fehler. Hinterher entschuldigte sie sich für die Regelverletzung, aber nicht bei Korpatsch persönlich. Die Hamburgerin kommentierte das anschließend bei Eurosport mit einer Nüchternheit, die viel über ihren Charakter sagt: „Eigentlich haben wir uns immer total gut verstanden. Was jetzt passiert ist, keine Ahnung.“
Was passiert ist, war trotz allem ihr bisher größter Grand-Slam-Erfolg: Tamara Korpatsch hat bei den French Open 2026 erstmals in ihrer Karriere die dritte Runde eines Grand-Slam-Turniers erreicht.
Eine Spielerin, die wir kennen
In Darmstadt-Bessungen hört man diesen Namen und nickt. Tamara Korpatsch hat auf der Anlage des TC Bessungen 2000 aufgeschlagen, damals noch als ITF-Spielerin, die sich Schritt für Schritt nach oben kämpfte. Und wer in Bessungen aufschlägt, aus dem wird, wie die Erfahrung lehrt, meistens etwas.
Das Jahr, an das sich viele beim TCB erinnern, ist 2016. Korpatsch gewann damals das Turnier. Aber die Geschichte dahinter ist genauso interessant.
Strom, Wasser und ein Wohnwagen auf dem Vereinsgelände

Die Korpatschs kamen nicht mit einem Tross. Sie kamen mit einem Wohnwagen. Vater Thomas, der bis heute als Coach seiner Tochter fungiert, hatte seinen Kindern früh eine Regel mitgegeben: Es gibt ein Hobby, bei dem er sie unterstützt. Nur eines. Tamara entschied sich für Tennis — und der Deutsche Tennis-Bund entschied sich dafür, das mit wohlwollender Distanz zu begleiten. Also machte die Familie das, was Familien machen, die es trotzdem wollen: Sie fuhren selbst. Zunächst im Auto, irgendwann im Wohnwagen. Auf dem Vereinsgelände des TC Bessungen 2000 legte der Platzwart kurzerhand Strom und Wasser zum Wohnwagen — so läuft das hier bei uns in Bessungen.
Korpatsch gewann das Turnier in Darmstadt, dann das nächste in Lenzerheide, dann das in Horb. Drei Titel in wenigen Wochen. Zum ersten Mal stand sie unter den Top 200 der Welt. Und am Ende dieses Sommers hatte sie die Qualifikation für die US Open in der Tasche — wohin sie, das sei der Vollständigkeit halber erwähnt, ohne Wohnwagen anreiste.
Angefangen hatte das alles, lange vor Bessungen, auf einem Supermarkt-Parkplatz in Hamburg. Vater und Tochter, eine niedrige Hecke als Netz, und der Gedanke, dass ein Netz auf Normhöhe zwar praktisch ist, aber keine notwendige Bedingung für Ehrgeiz.

Von Cluj bis Roland Garros — und kein Verband, der geholfen hätte
Heute ist Tamara Korpatsch eine vollwertige WTA-Spielerin. 2022 gewann sie ein WTA-125-Turnier in Budapest. 2023 holte sie ihren ersten WTA-250-Titel in Cluj-Napoca. Karrierebestplatzierung: Weltranglistenplatz 71 im Oktober 2023. Und jetzt, 2026, die dritte Runde der French Open. „Wir haben das alles alleine geschafft“, hat Korpatsch mehr als einmal gesagt. Man glaubt es ihr.
In Bessungen erinnern wir uns an den Wohnwagen, an den Platzwart, der den Strom legte, und an eine junge Hamburgerin, die damals gewann. Das Turnier, das sie auf dem Weg nach oben begleitet hat, feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag — als W50-Turnier, mit einem Rahmenprogramm, das dem Anlass gerecht wird.
Ab dem 13. Juli ist es soweit. Wer wissen möchte, welche der heutigen Spielerinnen in ein paar Jahren den Weg von Tamara Korpatsch nimmt, sollte vorbeischauen. Die Geschichte hat gezeigt: Bessungen ist ein guter Ort dafür.

(spf)




















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