Francesca Curmi gegen Vivian Wolff: Mentale Stärke führt ins Halbfinale
Francesca Curmi vs Vivian Wolff
Endstand: 3:6 / 6:3 / 6:3
Am Ende war es nicht das spielerische Können, das über den Ausgang dieses hart umkämpften Dreisatz-Matches entschied. Nach mehr als zwei Stunden ging die mental stärkere Spielerin als Siegerin vom Platz und die tief enttäuschte Verliererin musste sich fragen, warum es ihr nicht gelungen war, dies zu verhindern.
Mit der 26 Jahre alten Vivian Wolff schlägt in Bessungen eine der älteren und erfahreneren Spielerinnen auf. Die gebürtige Frankfurterin tritt für die USA an und startete auch in den vergangenen Jahren bei Tennis International. 2023 musste sie bereits in der ersten Runde eine Niederlage hinnehmen und auch 2024 erlebte Wolff ein frühes Aus in der zweiten Runde, wo sie der Deutschen Mariella Thamm unterlag. Dieses Jahr läuft es bisher deutlich besser für die Deutsch-Amerikanerin. Sie belegt aktuell Platz 355 in der Weltrangliste und spielte sich international bei Turnieren oft bis ins Halbfinale oder Finale vor, konnte aber nur einen Titel in Perigueux (FRA) gewinnen.In Bessungen hinterließ die an Platz acht gesetzte Wolff bisher einen spielerisch starken Eindruck. Sie dominierte in ihren Begegnungen und besiegte in der ersten Runde die Qualifikantin Chelsea Fontenel aus der Schweiz mit 6:3, 6:1 und zog nach einem 6:1, 6:2 gegen Astrid Lew Yan Foon (FRA) verdient in das Viertelfinale ein.
Dort stand ihr am Freitag mit Francesca Curmi eine der Titelanwärterinnen bei Tennis International gegenüber. Die 23 Jahre alte Malteserin geht als Nummer drei der Setzliste in Bessungen an den Start und ist hier ein neues Gesicht. Die ambitionierte Spielerin, die in Malta als erste Tennisspielerin in einem WTA Hauptfeld Geschichte schrieb, schaffte in nur einem Jahr den Sprung in der Weltrangliste von Platz 1124 auf 487. Aktuell wird sie auf Rang 369 geführt und liegt damit auf Augenhöhe zu Vivian Wolff. Im bisherigen Verlauf des Turniers konnte Curmi spielerisch überzeugen und verbuchte einen Erstrundensieg gegen die Schweizerin Fiona Ganz (6:1, 6:1) und nahm in der zweiten Runde die Französin Sarah Iliev mit 6:2, 6:3 aus dem Wettbewerb.
Das Thermometer auf der elektronischen Anzeigetafel zeigte bereits 27 Grad an, als Vivian Wolff um 13 Uhr auf Platz 5 zum ersten Viertelfinalspiel aufschlug. Sofort entwickelte sich ein kampfbetontes Spiel, das vorwiegend von der Grundlinie aus geführt wurde. Die Deutsch-Amerikanerin zeigte, warum sie hier im Viertelfinale stand. Mit guten ersten Aufschlägen und präzise an die Grundlinie gesetzten Vor- sowie Rückhandschlägen, ließ sie ihre Gegnerin nicht zu ihrem Spiel finden. Curmi musste extrem viel laufen und verletzte sich beim Stand von 2:5 leicht am rechten Fuß. Ihr Trainer feuerte sie nach gelungenen Aktionen immer wieder an: „Brava, brava! That´s the way, come!“ Tatsächlich konnte die Malteserin noch auf 3:5 verkürzen, aber Wolff gewann bei eigenem Aufschlag nach 42 Minuten den ersten Satz mit 6:3.
In der Pause behandelte Physiotherapeut Martin Bremer Curmis Fuß und ihr Trainer nutzte die Minuten, um seiner Spielerin taktische Anweisungen für den zweiten Satz zu geben. Die Malteserin wirkte danach deutlich gelöster und scherzte sogar noch kurz vor ihrem Aufschlag mit Bremer, der seine Jacke auf ihrer Bank vergessen hatte. Diese positive Einstellung übertrug sich im zweiten Satz mehr und mehr auf ihr Spiel.
Die Malteserin ließ ihre Gegnerin laufen, platzierte die Bälle genau und holte sich nun auch verstärkt Punkte nach dem ersten Aufschlag. Wolff haderte lautstark und schoss nach der 3:1 Führung Curmis voller Wut einen Ball aus dem Court in Richtung Festwiese, was eine Verwarnung zur Folge hatte. Danach war ein Bruch in ihrem Spiel zu erkennen, was Curmi ausnutzte und den zweiten Satz mit 6:3 für sich entschied.
Im dritten Satz musste sich zeigen, wer die besseren Nerven hatte , denn der emotionale Aspekt dieser Partie war schon in den ersten beiden Sätzen nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören gewesen. Curmi zeigte sofort, wer die mental stärkere Spielerin auf dem Platz war und ging schnell mit 2:0 in Führung. Wolff schien aufzugeben und trotz einiger Punktgewinne gab ihre Gegnerin den Vorsprung nicht mehr aus der Hand. Nach zwei Stunden 14 Minuten zog Francesca Curmi ins Halbfinale ein, wo sie am Samstag auf die im Turnier an eins gesetzte Sohyun Park aus Südkorea trifft.
(hei)























