Gegen den Abwärtstrend: Warum das deutsche Damentennis Turniere wie Darmstadt braucht
Das Tennis International Turnier Darmstadt feiert sein 50-jähriges Jubiläum. In diesem Jahr richtet der TCB das Damenturnier zwischen dem 13. bis 19. Juli aus, erstmals in der zum W50 aufgewerteten Kategorie und mit 40.000 US-Dollar Preisgeld. Schirmherrin der Jubiläumsausgabe ist Barbara Rittner, dasDoppelfinale sehen wir am Samstag, den 18. Juli, das Einzelfinale steigt am Sonntag, den 19. Juli. Der Blick lohnt sich in diesem Jahr besonders — nicht nur wegen einer zurückkehrenden Titelverteidigerin, sondern weil ein Turnier wie dieses gerade jetzt eine Aufgabe hat.
Der Blick von außen: eine ernüchternde Diagnose
Wie es um das deutsche Damentennis steht, hat Thomas Klemm in der FAZ am 28. Juni am Beispiel der Bad Homburg Open beschrieben. Sein Befund fiel hart aus: Das Wimbledon-Vorbereitungsturnier sei zum Anziehungspunkt internationaler Stars geworden, während sich das deutsche Damentennis von der Weltspitze entfernt habe. Nur eine Deutsche, Eva Lys, stand im Hauptfeld und schied in Runde eins aus; drei weitere scheiterten bereits in der ersten Qualifikationsrunde. Beim Hauptfeld stehe der Deutsche Tennis Bund, mitgliederstärkster Verband der Welt, nur auf einer Stufe mit den Philippinen. Klemms Fazit im Dating-Deutsch: „Es matcht nicht.“
Genau hier setzt ein Turnier wie Tennis International an. Auf der ITF-Ebene können junge Spielerinnen die Matchpraxis sammeln, die den Sprung nach oben erst ermöglicht. Der DTB hat mit „Tennis Deutschland 2032″ eine Nachwuchsstrategie aufgelegt; ihren Ertrag sieht man nicht in Bad Homburg, sondern auf Plätzen wie denen in Bessungen. Und dort sind, anders als im Taunus, wieder einige Deutsche dabei — im Hauptfeld, per Wildcard und über die Qualifikation.
Zwei deutsche Spielerinnen, zwei Wege
Tessa Johanna Brockmann ist mit 20 Jahren die aktuell bestplatzierte der beiden. Im Mai 2026 kletterte – am 21. November 2005 geboren – auf ihr Karrierehoch von Rang 254 im Einzel und 304 im Doppel. Ihr Debüt im Hauptfeld eines WTA-Turniers gab sie 2025 in Hamburg, im Doppel mit einer Wildcard an der Seite von Sonja Zhenikhova. Die laufende Saison verläuft mit einer Einzelbilanz von 9:12 durchwachsen — Darmstadt ist für sie die Gelegenheit, gegen erfahrene Gegnerinnen Boden gutzumachen.
Nastasja Schunk bringt die höchste je erreichte Platzierung mit. Am 8. August 2022 stand die am 17. August 2003 Geborene auf Rang 143. Ein Jahr zuvor hatte sie im Juniorinnen-Einzelfinale von Wimbledon gestanden, das sie gegen Ane Mintegi del Olmo verlor. Nach Verletzungen führt sie die Rangliste inzwischen um Platz 360 — doch 2025 gewann sie das W35-Turnier in Warmbad Villach und stand in Porto und Santa Margherita di Pula im Finale. In Darmstadt ist sie keine Unbekannte.
Wildcards für den Nachwuchs
Vier deutsche Spielerinnen erhielten bisher für das Hauptfeld eine Wildcard. Gut bekannt ist uns die Nordhornerin Josy Daems, die 2025 im Darmstädter Finale gegen Francesca Curmi verlor — auf dem Weg dorthin hatte die deutsche U-18-Meisterin unter anderem die an Nummer zwei gesetzte Kajsa Rinaldo Persson geschlagen. Die 20-Jährige, geboren am 13. März 2006, wird um Rang 541 geführt, ihr Karrierehoch liegt bei Platz 482. In Bessungen bekommt die Vorjahresfinalistin die Chance, an ihren bislang stärksten Auftritt anzuknüpfen.

19.07.2025, Tennis International 2025, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Halbfinale: Josy Daems (GER)
Foto: Herbert Krmer
Julia Stusek, geboren am 30. Juni 2008, gehört zur jüngsten Generation im Feld. Ihr WTA-Debüt gab sie 2024 als Lucky Loser ausgerechnet bei den Bad Homburg Open, wo sie gegen Peyton Stearns verlor. Im Februar 2026 erreichte sie mit Rang 550 ihr Karrierehoch. Stusek stammt aus einer Tennisfamilie — ihre Mutter Petra Holubová spielte selbst auf der Tour —, zeitweise wird sie von Melanie Molitor betreut, der früheren Trainerin von Martina Hingis.
Noch jünger sind die beiden weiteren Wildcard-Spielerinnen. Francesca Parcelli, geboren am 20. Januar 2009, ist 17 Jahre alt und zählt zu den deutschen Juniorinnen-Talenten. Victoria Brand, geboren am 31. Mai 2010 und damit erst 16, ist die jüngste Spielerin im gesamten Aufgebot. Für beide ist ein W50-Hauptfeld eine frühe und wertvolle Bühne — genau die Art von Erfahrung, die der deutsche Nachwuchs braucht. Dass der Veranstalter solche Wildcards vergibt, zeigt, wofür ein Turnier wie Tennis International steht.
Ohnehin ist das Teilnehmerfeld bis zum Turnierstart noch im Fluss: Absagen, Nachrückerinnen und zusätzliche Wildcards können das Bild bis zum ersten Aufschlag verändern.
Die Qualifikation als Chance
Neben dem Hauptfeld lohnt der Blick auf die Qualifikation, die traditionell schon am Montag beginnt — bei freiem Eintritt. Bis zu 24 Spielerinnen kämpfen dort um die letzten Plätze im 32er-Feld. Genau hier bekommen jüngere und niedriger geführte Spielerinnen ihre Bühne, und genau hier können sich weitere deutsche Spielerinnen für das Hauptfeld empfehlen. Für den Nachwuchs ist der Weg über die Qualifikation oft der erste Schritt: Wer sich durchsetzt, sammelt Matchpraxis und Ranglistenpunkte gegen internationale Konkurrenz — jene Erfahrung, die auf den größeren Bühnen später fehlt. Über die Qualifikation veröffentlichen wir einen separaten Vorbericht.
Gina Feistel und ihr Heimspiel
Eine besondere Rolle bei Tennis International spielt erneut Gina Feistel. Geboren in Mörfelden-Walldorf, wurde sie am TC Bessungen groß, auf dem Merck Center Court „Hinter der Rennbahn“ — dort, wo ihre Mutter Magda, geborene Mróz und einst polnische Olympiateilnehmerin, in der Vergangenheit als Trainerin arbeitete. Feistel tritt international für Polen an, doch nach Darmstadt kommt sie an den Ort ihrer Tenniskindheit zurück. 2025 kehrte sie hier nach einer Handverletzung erstmals wieder ins Turniergeschehen zurück und schied in der ersten Runde gegen Josy Daems aus. Ihr beste Ranglistenplatzierung liegt bei Rang 296.
Die Titelverteidigerin
Francesca Curmi kommt als Siegerin zurück. Die Malteserin gewann 2025 das Darmstädter Finale gegen Josy Daems mit 6:2, 6:0 und holte damit ihren ersten Titel auf Sand. Curmi hat Tennisgeschichte für ihr Land geschrieben: 2023 war sie die erste Spielerin aus Malta im Hauptfeld eines WTA-Turniers. Im WTA-Ranking steht sie bei Rang 268.

19.07.2025, Tennis International 2025, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Halbfinale: Francesca Curmi (MLT)
Foto: Herbert Krmer
Blick ins internationale Feld
Weitere Namen bringen Geschichten mit. Die Südkoreanerin Dayeon Back schlug 2023 bei den Korea Open als Nummer 569 der Welt und mit Wildcard die frühere Weltranglisten-Fünfte und French-Open-Siegerin Jelena Ostapenko — nach abgewehrtem Matchball. Viel Erfahrung bringt İpek Öz mit, 2022 die Nummer 163 der Welt und Viertelfinalistin des WTA-250-Turniers in Bogotá. Sandra Samir ist Ägyptens Nummer eins und gewann 2015 bei den Afrikaspielen Gold im Einzel und Doppel. Dazu kommen Koreas aktuelle Nummer eins Sohyun Park, die Französin Selena Janicijevic als ranghöchste Spielerin der Meldeliste — und mit Lea Nilsson, Jahrgang 2008, ein Name für die Zukunft.
Bessungen als Sprungbrett
In Bessungen gilt die bekannte und oft zitierte Turnierweisheit: „Wer in Bessungen aufschlägt, aus dem wird was.“ Victoria Mboko hat es vor zwei Jahren vorgemacht — die Siegerin von 2024 gewann ein Jahr später das WTA-1000-Turnier in Montreal und steht heute in den Top Ten. Auch viele deutsche Spielerinnen sind in Bessungen angetreten und haben ihren Weg gemacht; Steffi Graf, die hier als 13-Jährige aufschlug, ist nur das prominenteste Beispiel. Dass dieser Satz bald wieder für eine deutsche Spielerin gilt, wäre die überzeugendste Antwort auf die ernüchternde Bilanz von Bad Homburg.
(spf)
Recherchen zu diesem Bericht wurden mit KI durchgeführt und Fakten wurden nach bestem Wissen überprüft. Sollten trotzdem Fehler aufgetreten sein, so bitten wir um Meldung.




















