Sahnetag führt Nastasja Schunk ins Finale

Nastasja Schunk gegen Francesca Curmi
6:3, 6:2

Im zweiten Halbfinale sahen die Zuschauer auf dem Mercedes-Benz Center Court ein packendes und hochklassiges Match mit einer verdienten Siegerin – ein Duell, das durchaus einen dritten Satz verdient gehabt hätte.

Nastasja Schunk präsentierte sich in den vergangenen Tagen bei Tennis International in bestechender Form und ist eines von zwei jungen deutschen Talenten, die noch im Turnier stehen. Die 22-Jährige, die wegen einer Schulterverletzung 13 Monate pausieren musste und dadurch in der Weltrangliste fast 300 Plätze einbüßte, will beim Bessunger Jubiläumsturnier offensichtlich nach dem Titel greifen. Die frisch gebackene Abiturientin gewann bislang alle ihre Matches in zwei Sätzen und schaltete am Freitag im Viertelfinale sensationell die an Position eins gesetzte Französin Selena Janicijevic aus. Vorjahressiegerin Francesca Curmi musste also gewarnt sein.

18.07.2026, Tennis International 2026, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Halbfinale: Nastasja Schunk (GER)
Foto: Herbert KrŠmer

Auch die Titelverteidigerin aus Malta spielte sich bislang souverän in zwei Sätzen ins Halbfinale, musste im Viertelfinale allerdings einen Schock verkraften: Sie knickte mit dem rechten Fuß um, stürzte und konnte das Spiel erst nach einer längeren Behandlungspause fortsetzen. Xinxin Yao war am Freitag eine unangenehme Gegnerin für die 24-jährige Malteserin und verlangte ihr, vor allem im zweiten Satz, alles ab. Die Chinesin ist Linkshänderin – genau wie die Deutsche Nastasja Schunk. Vielleicht konnten dieses Detail und der blessierte Fuß von Curmi im Halbfinale eine entscheidende Rolle spielen.

Um 15.20 Uhr gab der australische Stuhlschiedsrichter Kevin Horner das Kommando „Play“, und sofort entwickelte sich ein offener Schlagabtausch zweier Spielerinnen auf Augenhöhe. Curmi versuchte wie gewohnt, ihr druckvolles Spiel von der Grundlinie aufzubauen, doch die Deutsche hatte ihre Hausaufgaben gemacht. Schunk schlug extrem stark auf – insgesamt vier Asse –, retournierte aggressiv und punktete immer wieder mit ihrer Vorhandpeitsche, sowohl cross als auch longline. Die Zuschauer sahen begeisternde Ballwechsel auf hohem und temporeichem Niveau.

18.07.2026, Tennis International 2026, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Halbfinale: Francesca Curmi (MLT)
Foto: Herbert KrŠmer

Die Deutsche hatte einen Sahnetag erwischt und trieb die Titelverteidigerin aus Malta mit ihren hart platzierten Bällen zur Verzweiflung. Mit 6:3 ging der erste Satz nach 45 Minuten verdient an Nastasja Schunk. In der Pause diskutierten die Zuschauer auf der Tribüne, ob die Vorjahressiegerin im zweiten Satz noch ausgleichen könnte. Curmis Fuß machte offensichtlich keine Probleme mehr, sodass einer Revanche nichts im Wege stand.

Doch die Malteserin servierte gleich zu Beginn einen Doppelfehler und verlor bereits im ersten Spiel des zweiten Durchgangs ihren Aufschlag. Schunk machte da weiter, wo sie im ersten Satz aufgehört hatte: starke Aufschläge, knallharte Vorhand, eingestreute Stopps. Schnell zog sie auf 2:0 davon, und Curmi wurde auf dem Platz lauter. Immer wieder versuchte sie, sich nach gelungenen Punkten selbst zu pushen, doch Schunk hielt den Druck konstant hoch. Mit einem Ass zum 4:2 und genau jenem druckvollen Tennis, das sonst das Markenzeichen der 24- jährigen Malteserin ist, ließ die Deutsche nichts mehr anbrennen.

Nach 1:24 Stunden zog sie mit einem überraschend deutlichen 6:2 ins Finale ein, wo sie am Sonntag auf die Spanierin Irene Burillo trifft, die sich gegen die Deutsche Tessa Johanna Brockmann durchsetzte. Für Francesca Curmi zerplatzte mit der Niederlage der Traum von der Titelverteidigung, und sie verließ zutiefst enttäuscht den Platz.

Nastasja Schunk hingegen antwortete glücklich und gelöst auf die Fragen von Moderator Udo Döring zu ihrer Leistung. Sie habe ihren Spielplan konsequent umgesetzt und sich von anfänglichen Fehlern nicht beirren lassen. Es sei ein hartes Match gewesen, doch im Finale wolle sie noch einmal genauso stark auftreten. Die Zuschauer können sich auf Sonntag freuen: Vielleicht gewinnt nach über zehn Jahren endlich wieder eine junge, hochtalentierte deutsche Spielerin den Titel im Jubiläumsjahr von Tennis International.

(hei)