Trotz Déja-vu ins Halbfinale

Francesca Curmi vs. Xinxin Yao
Endstand: 6:1, 7:6 (7:4)

Dieses Spiel hätte wahrlich mehr Zuschauer verdient. Doch durch die Ansetzung auf Court 7 fand die vor allem im zweiten Satz hochklassige und dramatische Partie nur wenig Beachtung.

Die 2003 geborene Chinesin Xinxin Yao ist hier in Bessungen an Position sieben gesetzt und konnte sich im Verlauf des Turniers von Spiel zu Spiel steigern. Die Linkshänderin besiegte in der ersten Runde die schwedische Qualifikantin Isabel Skoog mit 6:1, 7:6. In der zweiten Runde traf sie auf die Französin Diana Martynov und zog mit einem glatten Zweisatzsieg (6:2, 6:2) ins Viertelfinale ein.

17.07.2026, Tennis International 2026, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Francesca Curmi (MLT)
Foto: Herbert KrŠmer

Titelverteidigerin Francesca Curmi ist in diesem Jahr im Hauptfeld an Position drei gesetzt. Sie beeindruckte in den ersten beiden Runden sowohl gegen die Chilenin Fernanda Labrana (6:2, 6:2) als auch gegen die Deutsche Joelle Lilly Sophie Steur (6:3, 6:0).

Beide Spielerinnen agieren auf dem Platz ruhig, strategisch klug und mit großer mentaler Stärke. Reizvoll wurde dieses Duell dennoch vor allem durch ihre unterschiedliche Spielanlage. Die Rechtshänderin Curmi sucht stets den Weg nach vorn und setzt ihre Gegnerinnen mit kraftvollen Schlägen permanent unter Druck. Zudem hat die Malteserin im vergangenen Jahr deutlich an Fitness und Muskelmasse zugelegt. Die Hartplatzspezialistin Yao hingegen agiert gerne aus der Defensive, bringt nahezu jeden Ball zurück und macht nur wenige Fehler. Auch sie steigerte sich hier im Turnier von Match zu Match.

Spielentscheidend konnte die größere Sandplatzerfahrung der Malteserin werden. Auf diesem Belag kann sie ihr druckvolles Spiel besonders gut entfalten, und Yao musste von Beginn an hellwach sein, um nicht von Curmis Power überrollt zu werden.

Mit einer halbstündigen Verspätung aufgrund eines kräftigen Regenschauers begann das Viertelfinale auf Court 7 mit Aufschlag Yao. Curmi agierte sofort hoch konzentriert, attackierte erfolgreich den schwächeren zweiten Aufschlag der Chinesin und setzte diese mit überragenden Longlinebällen unter Druck. Auch wenn Yao versuchte, mit hohen Bällen das von Curmi vorgegebene Tempo aus dem Spiel zu nehmen, gelang ihr im ersten Satz lediglich ein Spielgewinn. Die 24-jährige Malteserin entschied den Durchgang klar mit 6:1 für sich.

17.07.2026, Tennis International 2026, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Xinxin Yao (CHN)
Foto: Herbert KrŠmer

Alles deutete auf ein einseitiges Match mit klarem Ergebnis hin, doch der zweite Satz hatte es in sich und wurde dramatisch. Yao fand nun deutlich besser ins Spiel. Der erste Aufschlag kam, darunter drei Asse, und auch der zweite wurde unangenehm angeschnitten, sodass Curmi zunehmend Probleme beim Return hatte. Die Chinesin agierte jetzt viel selbstbewusster, spielte druckvolles Angriffstennis und nahm ihrer Gegnerin erstmals den Aufschlag ab.

Beim Stand von 1:2 knickte Curmi beim Versuch, einen Ball ihrer Gegnerin zu erlaufen, mit dem rechten Fuß um, stürzte schwer und blieb wehklagend liegen. Sofort unterbrach der Stuhlschiedsrichter die Partie und ordnete eine Behandlungspause an. Der rechte Knöchel der Malteserin wurde versorgt und fachgerecht mit einem Verband stabilisiert.

Curmi spielte tapfer weiter, konnte aber nicht mehr an die starke Leistung aus dem ersten Satz anknüpfen. Dennoch entwickelten sich hochklassige Ballwechsel auf Augenhöhe, jedes Spiel war hart umkämpft. Der Malteserin unterliefen nun ungewöhnlich viele Fehler, auch ihr erster Aufschlag ließ sie im Stich. Auf die ständigen „Vamos, vamos“-Rufe ihres Trainerteams reagierte die 24-Jährige gereizt auf Englisch: „I have so much pain, you don’t understand!“

Mit Mühe, aber auch mit der ihr eigenen mentalen Stärke, kämpfte sie sich in den Tiebreak, den sie schließlich mit 7:4 für sich entschied. Offensichtlich war am Ende nicht nur der Fuß, sondern auch der Kopf gefordert, was Curmi nach dem Match gegenüber der Presse bestätigte: Mit dem Sturz habe sie ein Déja-vu erlebt, denn genau dasselbe sei ihr im vergangenen Jahr ebenfalls hier im Viertelfinale passiert. Die Angst vor einer schweren Verletzung sei auf der Tour immer präsent.

Francesca Curmi trifft am Samstag im Halbfinale auf die Deutsche Nastasja Schunk, die die an Nummer eins gesetzte Französin sensationell in zwei Sätzen aus dem Turnier nahm. Sollte der Knöchel keine Probleme bereiten, könnte die Malteserin bei einem Einzug ins Finale die Chance ergreifen, als erste Spielerin in der nun 50-jährigen Historie von Tennis International ihren Vorjahrestitel erfolgreich zu verteidigen.

(hei)