4 Stunden und 37 Minuten bis zum Sieg von Valenta Steiner
Maria Florence Urrutia (ARG) vs. Valentina Steiner (GER)
7:6, 6:7, 3:6
Vier Stunden und 37 Minuten dauerte das Erstrundenspiel zwischen der Argentinierin Maria Florencia Urrutia (Ranglistenplatz 419 der WTA) und der Deutschen Valentina Steiner (Ranglistenplatz 512 der WTA) auf dem Sparkassen Court 6 des TCB 2000 Bessungen. Spannender ging es kaum: zweimal Tiebreak und dann die Entscheidung für die Deutsche im dritten und entscheidenden Satz. Ein Auf und Ab der Gefühle bei den Spielerinnen, bei den Trainern und auch bei den Zuschauern.
Das Spiel startete mit einem Zu-Null-Spielverlust der 19 Jahre alten Valentina Steiner, die noch nicht auf dem Platz zu sein schien. Doch danach holte sie sich sofort ein Rebreak. Allerdings in einem gefühlt endlos langen Spiel – ein Vorzeichen, was in den kommenden Stunden noch zu erwarten war. Steiner zog nach gewonnenen eigenen Spielen und Breaks auf 2:5 davon. Sie schien auf dem besten Weg, den ersten Satz für sich zu entscheiden.
Doch die 25 Jahre alte Maria Urrutia war nicht zu unterschätzen. Die Argentinierin ist eine extrem laufstarke und kämpferische Spielerin, die auch scheinbar unerreichbare Bälle noch zurück bringt. Extrem störend dabei die Lautstärke ihres Stöhnens, mit denen sie nahezu alle ihre Schläge begleitet. Den Dezibel-Wert wurde zwar nicht gemessen, aber er lag eindeutig über dem klassischen Monica-Seles-Wert. Hier stellte sich unter den zahlreichen Zuschauern die Frage, wie laut man auf dem Platz werden darf oder sollte. Sie waren auf jeden Fall extrem von dieser Lautstärke genervt. Valentina Steiner schien unbeeindruckt.

15.07.2026, Tennis International 2026, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Foto: Herbert Krämer
Urrutia kämpfte sich konsequent mit hohem Einsatz in den kommenden Spielen auf 5:5 heran, ging sogar 6:5 in Führung. Vor allem beschleunigte sie auch das Tempo ihrer Schläge. Arbeitete sie zu Beginn des Spiels noch vor allem mit Slice und eher langsamen Bällen, so zeigte sie in der Folge auch harte und temporeiche Vorhandbälle. Jedes Spiel der beiden Kontrahentinnen war hart umkämpft und am Ende holte Urrutia ein ums andere Spiele – auch wenn es mit glücklichen Netzrollern war, die sie an diesem Tag gepachtet zu haben schien. Valentina Steiner rettete sich gerade noch nach einem weiteren hart umkämpften Spiel zum 6:6 in den Tiebreak, doch den entschied die Argentinierin nach langen Rallys mit 12:10 für sich.
So ging es dann in den zweiten Satz, in dem es zu Beginn wieder zu Diskussionen kam. Die Stimmung auf dem Platz war nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen hitzig. Maria Florencia Urrutia fühlte sich des benachteiligt und monierte das Verhalten des Trainerteams von Valentina Steiner rund um Alexander Waske, die das Spiel aufmerksam verfolgten und ihre Spielerin selbstverständlich anfeuerten. Gut, dass man manche Bemerkung in der Muttersprache der Argentinierin nicht verstehen konnte. Sympathien gewann sie so allerdings nichts. Im Gegenteil.

15.07.2026, Tennis International 2026, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Foto: Herbert Krämer
Das Spiel verlief in einem nahezu schon bekannten Muster. Gewann eine der beiden einmal klar ihr Spiel, so war das eher die Ausnahme. Mental schien Urrutia in dieser Phase stärker, während Valentina Steiner oft mit ihrem eigenen Spiel haderte und auch hinterfragte, was sie denn noch gegen die Dauerläuferin Urrutia machen solle, die fast alle Bälle wieder ins Feld zurück brachte. Zudem schlichen sich bei ihr Fehler auf der Rückhand ein und auch der erste Aufschlag kam zu wenig. Coach Alexander Waske schien manchmal zu verzweifeln, aber wie er im Nachgang sagte: „An den Sieg glaube ich immer.“
Doch trotz aller leichten Fehler und einem gerüttelten Maß an Frustration bleibt festzuhalten: Valentina Steiner kämpfte sich immer wieder zurück, wehrte etwa beim Stand von 5:4 einen Matchball ab. Ihre Körpersprache zeigte Resignation, aber sie blieb im Spiel. Und so stand es im zweiten Satz erneut 6:6 – ein weiterer Tiebreak. Zugegebenermaßen herrschte bei den Zuschauern zu diesem Zeitpunkt wenig Optimismus, dass Steiner dies für sich entscheiden würde.
Auch dieser Tiebreak war ein ständiges Auf und Ab. Etliche vergebene Satzbälle. Die Spannung knistere auf dem Platz Nummer 6 in Bessungen. Nach einem gefühlt endlosen Hin und Her und kaum zu ertragender Spannung waren nicht nur die Zuschauer begeistert: Valentina Steiner gewann den Tiebreak mit einem entscheidenden Punkt, den sie am Netz machte. Weiter ging es also in den dritten und entscheidenden Satz. Und alle hatten die Frage in den Augen: Kommt es zu einem weiteren, dem dritten Tiebreak dieses Spieles?
Und dieser dritte Satz begann wie das bisherige Spiel: Break und Rebreak. Ein gnadenloser Kampf, eine Duracell-Argentinierin, die rannte und rannte und immer wieder sensationelle Longline-Bälle auspackte. Doch Valentina Steiner gab – angefeuert von ihrer Mutter und dem Trainerteam – nicht auf. Sie holte sich das Break zum 2:4 – durch einen leichten Fehler von Urrutia. Die Deutsche schaffte es, auf 3:5 zu stellen und dann kam die entscheidenden Nervenprobe. Sie lag bei Aufschlag Urrutia mit 0:40 vorne – und es gelang ihr, die Chance zu Sieg beim Stand von 30:40 für sich zu nutzen. Spannender geht nimmer. Alles danach war Freude, Erleichterung und Erschöpfung.
Man sollte bei Superlativen vorsichtig sein, doch aus der Sicht des Autors: Das Match ist ein weiterer Meilenstein in der Geschichte von Tennis International in Bessungen, ein sensationelles Match. Respekt vor der läuferischen und spielerischen Leistung von Maria Urrutia. Sie hat großartigen Kampf und sehenswertes Tennis geliefert. Leider haben ihre unschönen Verhaltensweisen, ihre lauten Schreie und ihre andauernden Beschwerden – auch noch nach Spielende – sie nicht beliebt gemacht. Es sollte als Sportsfrau – bei allem Ehrgeiz – doch anders gehen.
Ein Riesenkompliment an Valentina Steiner. Ich gebe zu, ich habe lange Zeit nicht an ihren Sieg geglaubt. Doch sie hat sich durchgebissen. Da kann ich nur den Hut ziehen. Chapeau – und viel Glück im weiteren Turnierverlauf. Der Traum lebt und wir alle in Bessungen würden ihn gerne erleben: Eine Geburtstagsfeier am Finaltag auf dem Mercedes-Benz-Centre Court. Es ist noch ein langer Weg, aber man darf und muss träumen (dürfen).
(spf)




















