Sechs deutsche Siegerinnen, elf Niederlagen: Quali-Auftakt in Darmstadt
Siebzehn deutsche Spielerinnen standen am gestrigen Tag in der Qualifikation unseres Turniers in Bessungen. Nach Tag eins steht es sechs zu elf: sechs deutsche Siegerinnen, elf Niederlagen mussten hingenommen werden. Auch konnten schieden sieben der sechzehn gesetzten Spielerinnen in der ersten Runde der Darmstädter Qualifikation aus. Darunter waren fünf deutsche Spielerinnen.
Deutsche Duelle
Drei Erstrundenspiele wurden komplett unter deutscher Flagge ausgetragen. Valentina Steiner, die Nummer eins der Setzliste, ließ Leonie Schuknecht beim 6:3, 6:0 nach dem ersten Satz kaum eine Chance. Der zweite Satz ging glatt durch – ein klares Signal der Topgesetzten. Ein besserer im ergleich mit 2022, als sie bei ihrem Darmstadt-Debüt als 16-jährige mit Wildcard glatt ausschied.

13.07.2026, Tennis International 2026, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Qualifikation: Valentina Steiner (GER)
Foto: Herbert Krmer
Enger verlief das Duell zwischen Laura Boehner und der an 16 gesetzten Victoria Pohle. Boehner ging ungesetzt ins Turnier und gewann trotzdem 6:4, 6:2. Damit schickte sie die erste von fünf gesetzten Deutschen an diesem Tag nach Hause. Pohle gilt als eine der größten deutschen Nachwuchshoffnungen: 2025 kämpfte sie sich in Darmstadt noch über einen Match-Tiebreak-Krimi ins Hauptfeld.
Am dramatischsten geriet das dritte deutsche Duell. Georgina Groth und die an 13 gesetzte Carolin Raschdorf lieferten sich einen offenen Schlagabtausch: 4:6, 6:1, 7:6(5). Raschdorf hatte den ersten Satz im Griff, Groth glich postwendend aus. Im Champions-Tiebreak des dritten Satzes behielt Groth mit 7:5 die Nerven.
Gesetzte Deutsche auf dem Rückzug
Nicht jede gesetzte Spielerin hielt dem Druck stand. Mara Guth, an Position drei gesetzt und mit der besten Ausgangslage im deutschen Lager, verlor gegen die Schwedin Isabel Skoog nach einem Fast-Comeback: 7:5, 6:7(9), 6:2. Im zweiten Satz wehrte Guth mehrere Satzbälle ab, verlor den Tiebreak dann knapp mit 9:11 und ließ im dritten Satz die Kräfte schwinden. Guth, dreifache deutsche Meisterin und einstige Wimbledon-Juniorinnen-Viertelfinalistin, hatte in Bessungen größere Momente: 2024 schlug sie im Hauptfeld die Kanadierin Victoria Mboko – jene Spielerin, die ein Jahr später das Turnier gewann und heute in den Top Ten der Weltrangliste steht.
Angelina Wirges, gesetzt auf Position zwölf, musste ihr Match gegen die Tschechin Laetitia Pulchartova früh abbrechen – beim Stand von 3:6, 0:1. Für Wirges bleibt 2026 so ein unbefriedigendes, kurzes Saisongastspiel in Darmstadt.
Nicht gesetzt, mit Mut
Für die größten Überraschungen des Tages sorgten zwei ungesetzte Spielerinnen. Sina Herrmann bezwang die an neun gesetzte Argentinierin Luna Maria Cinalli mit 7:5, 5:0. Cinalli gab beim Stand von 0:5 im zweiten Satz auf, nachdem sie den ersten bereits knapp verloren hatte – ein Ergebnis, das in der Setzliste niemand erwartet hätte. Für Herrmann ist das ein versöhnlicher Auftakt nach Jahren mit Pech in Bessungen.
Auch Lola Giza setzte sich durch: 6:4, 7:6(2) gegen die an elf gesetzte Usbekin Laima Vladson. Den zweiten Satz entschied Giza im Tiebreak klar für sich. 2025 war für die Wildcard-Spielerin in der Qualifikation noch nach einem knappen Dreisatz-Krimi gegen die deutlich höher geführte Schwedin Kajsa Rinaldo Persson Schluss. Ein Jahr später steht der erste Sieg.

13.07.2026, Tennis International 2026, Darmstadt
German, Masters, Series, Damen
Qualifikation: Lola Giza (GER)
Foto: Herbert Krmer
Weniger Glück hatte Fabienne Gettwart. Gegen die an fünf gesetzte Ukrainerin Anastasiia Firman verlor sie 3:6, 4:6. Angesichts des Rankingunterschieds keine große Überraschung, für Gettwart trotzdem ein frühes Ausscheiden.
Wildcards: einmal Glück, viermal Enttäuschung
Fünf deutsche Spielerinnen erhielten für die Qualifikation eine Wildcard. Nur eine von ihnen gewann ihr Auftaktspiel – dafür mit der bemerkenswertesten Zahl des Tages. Annemarie Lazar führt ein Sonderranking von 155 und ist damit deutlich besser platziert als die meisten direkt gemeldeten Spielerinnen im Feld. Sie bezwang die an 15 gesetzte Tina Manescu 6:2, 6:4.
Für die übrigen vier Wildcard-Spielerinnen endete der Tag früh. Christina Bednarczyk unterlag der an zwei gesetzten Französin Mathilde Lollia deutlich mit 0:6, 3:6. Emilia Carlotta Brune verlor gegen die australische Nummer Sechs Gabriella Da Silva Fick 2:6, 2:6. Lina Freya Simonsen hielt gegen die an zehn gesetzte Lettin Diana Marcinkevica im ersten Satz noch mit, verlor am Ende aber 4:6, 2:6. Jana Angelovska musste sich der niederländischen Nummer acht Madelief Hageman mit 1:6, 2:6 geschlagen geben.
Vier von fünf Wildcards scheiterten also sofort. Eine Wildcard ist ein Vorschuss auf Talent, keine Garantie. Genau deshalb zählt der eine Erfolg von Lazar umso mehr.
Wie es für die Siegerinnen weitergeht
Die zweite Qualifikationsrunde beginnt am Dienstag ab 11 Uhr auf vier Plätzen. Fünf der sechs deutschen Erstrunden-Siegerinnen stehen dabei erneut auf dem Platz.
Auf dem Mercedes-Benz Center Court eröffnen Lola Giza und die an sieben gesetzte Belgierin Tilwith Di Girolami, im Anschluss folgt mit Valentina Steiner gegen Laura Boehner das nächste rein deutsche Duell. Auf dem Merck Court 5 trifft Georgina Groth auf die an vier gesetzte Arina Bulatova, danach spielt Sina Herrmann gegen die Schwedin Isabel Skoog. Auf dem Sparkasse Court 6 eröffnet Annemarie Lazar gegen die an acht gesetzte Niederländerin Madelief Hageman.
Steiner gegen Boehner bedeutet: Eine der beiden Erstrunden-Siegerinnen scheidet sicher aus, bevor es um einen Platz im Hauptfeld geht. Giza, Groth, Herrmann und Lazar bekommen es dagegen erstmals in dieser Woche mit internationaler statt deutscher Konkurrenz zu tun.
Bilanz nach Tag eins
Sechs deutsche Spielerinnen kamen weiter, elf schieden aus. Von den sechs Siegerinnen bezwangen vier eine Landsfrau: Steiner, Boehner, Groth und Lazar. Nur Herrmann und Giza schlugen internationale Konkurrenz. Fünf ausgeschiedenen deutschen Spielerinnen stehen zwei Überraschungssiege gegenüber. Den verbliebenen sechs Deutschen bleibt zu wünschen, dass sie auch die zweite Runde übersteht.
(spf)




















